Barrierefrei bauen oder umbauen – Maßnahmen und Förderungen

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Wer ein Haus baut, denkt oft nicht unbedingt daran, es einmal nicht mehr benutzen zu können, etwa aus Altersgründen oder anderen körperlichen Beeinträchtigungen. Wer dann aber dort wohnen bleiben möchte und sein Haus barrierefrei umbaut, muss viel Geld investieren. Besser wäre es, das Haus gleich barrierefrei zu bauen – oder zumindest, bestimmte Dinge vorzubereiten. Wie Bauherren barrierefrei bauen können – und welche Förderungen es dafür gibt.

Barrierefrei bauen, Frau im Rollstuhl in einer großzügigen und offenen Küche, im Hintergrund trägt ein Mädchen ein Tablett, Foto: KfW-Bildarchiv / photothek
Wer barrierefrei baut, muss auf geschmackvoll und großzügig gestaltete Räume nicht verzichten. Beim Umbau einer vorhandenen Immobilie muss man dagegen häufig Kompromisse eingehen. Foto: KfW-Bildarchiv / photothek

Wer ein barrierefreies Zuhause braucht oder für die Zukunft vorsorgen will, muss einige Dinge beachten und nicht immer lassen sich Bedürfnisse der Zukunft mit aktuellen vereinbaren. Doch barrierefrei zu bauen hat einen großen Vorteil: Alles kann von vorneherein geplant und umgesetzt werden. Wer sein Haus dagegen barrierefrei umbauen möchte, muss unter Umständen etwas mehr Geld investieren. Glücklicherweise gibt es Fördermöglichkeiten für den altersgerechten Umbau einer Immobilie.

 

Barrierefrei Wohnen: Die architektonischen Grundlagen

barrierefrei bauen, Person mit Rollstuhl vor Rampe, die zu eine Tür führt, Foto: RioPatuca Images / fotolia.de
Stufen sind mit dem Rollstuhl kaum zu überwinden. Für einen barrierefreien Zugang muss dann eine Rampe her. Foto: RioPatuca Images / fotolia.de

Eine barrierefreie Wohnung ist eine solche, die ein Bewohner auch dann selbstständig nutzen kann, wenn er körperlich beeinträchtigt ist. Ein Beispiel: Um mit dem Rollstuhl durch die Wohnung fahren zu können, braucht man Platz und keine Stufen. Wie viel Platz genau in welchem Fall benötigt wird, steht in der Norm DIN 18040. In dieser Norm ist neben dem Platzbedarf auch festgelegt, welche Pflaster- und Plattenbeläge geeignet sind, wie Rampen gestaltet sein müssen und wie breit welche Türen sein sollten. Diese Richtlinien richten sich in erster Linie an die Gestaltung von öffentlichen Räumen und Gebäuden, einige Details kann man aber auch auf private Räume übertragen, zum Beispiel:

  • Rollstuhlfahrer brauchen einen Raum von mindestens 1,50 x 1,50 m für einen Richtungswechsel, Personen mit Gehstock benötigen eine Fläche von 90 mal 70 Zentimetern für die freie Beweglichkeit, mit Rollator besteht ein Platzbedarf von 80 Zentimetern mal einem Meter.
  • Durchgänge müssen eine Breite von mindestens 90 Zentimetern aufweisen, der Türdrücker muss für Rollstuhlfahrer auf einer Höhe von 85 Zentimetern angebracht werden.
  • Ein Gefälle zum Beispiel vor der Haustür darf maximal 3 Prozent betragen.
  • Bei Platten und Fliesen dürfen keine Fugen, Beulen oder Dellen von mehr als zwei Zentimeter breite auftreten.

Der Platzbedarf fällt noch größer aus, wenn ein Pflegebett aufgestellt werden soll. Das ist zwar nicht zwangsläufig größer als ein normales Bett. Doch ist es sinnvoll, von beiden Seiten an das Bett herantreten zu können und gegebenenfalls auch den Standort wechseln zu können, beispielsweise zwischen dem ruhigen Schlafzimmer und dem Wohnzimmer mit der schönen Aussicht auf den Garten. Damit dieser Ortswechsel möglich ist, müssen die Innentüren und Wege natürlich breit genug sein: Bei einem Pflegebett mit einer Breite von 90 Zentimetern müssten Innentüren mindestens einen Meter breit sein.

 

Auf Bedienbarkeit achten

Es muss nicht nur ausreichend Platz vorhanden sein, die Wohnung und ihre technischen Geräte müssen auch bedienbar sein. Das heißt, Rollstuhlfahrer müssen Rollläden, Lichtschalter, Steckdosen oder beispielsweise das Telefon erreichen können. Bei Steckdosen und Schaltern ist das oft kein Problem. Und das Telefon kann ohne viel Aufwand auch im Flur installiert werden. In anderen Fällen ist es komplizierter, etwa in der Küche, wo Steckdosen manchmal in einer Ecke oberhalb der Arbeitsplatte platziert werden.

 

Smart Home zumindest vorbereiten

Automationstechniken, beziehungsweise Smart-Home-Lösungen können ebenfalls hilfreich sein: Rollläden, Markisen aber auch das Licht oder die Kaffeemaschine lassen sich dann zumindest teilweise per Smartphone steuern. Bei eingeschränktem Sehvermögen kann die Technik allerdings umso schwerer zu bedienen sein – immerhin braucht man üblicherweise spezielle Smartphone-Apps und die sind nicht immer optisch barrierefrei. Eine weitere Möglichkeit wäre, bestimmte Funktionen per Sprachbefehl zu steuern.

Wer sein Haus in Zukunft barrierefrei nutzen möchte, sollte zumindest darüber nachdenken, es für eine Automation vorzubereiten und es beispielsweise mit LAN-Kabeln zu versehen oder den Telefonanschluss ins Erdgeschoss legen oder in ein Bus-System zu investieren, das notwendig ist, um verschiedene technische Geräte und Steuerungseinheiten miteinander zu verbinden.

 

Das barrierefreie Bad

barrierefrei bauen, barrierefreies Bad, Foto: Jörg Lantelme / fotolia.de
Ein barrierefreies Badezimmer mit Haltegriffen neben der Toilette. Foto: Jörg Lantelme / fotolia.de
barrierefrei bauen, Badewanne mit Einstiegstür, schematische Zeichnung, Foto: Artweger GmbH
Diese barrierefreie Wanne lässt sich über eine bodentiefe Tür betreten. Foto: Artweger GmbH

Damit ein Badezimmer barrierefrei, also auch für Menschen mit Behinderung oder Einschränkungen frei zugänglich ist, müssen verschiedene Planungsgrundlagen berücksichtigt werden. Dabei reicht es nicht aus, einfach etwas mehr Platz einzuplanen - auch bei der Gestaltung der sanitären Anlagen sind spezielle Anforderungen zu beachten.

  • Der Waschtisch samt Waschbecken muss unterfahrbar sein. Die Armaturen sollten möglichst raumgreifend sein und nur einen Mischhebel besitzen.
  • Für das Toilettenbecken sind folgende Punkte wichtig: Die Spülung wie auch der Toilettenpapierhalter müssen gut erreichbar angebracht werden. Klappbare Stütz- und Hebehilfen erleichtern die Benutzung.
  • Die Dusche sollte bodengleich ausgeführt werden. Ein rutschfester Bodenbelag ist ebenso wichtig wie eine Sitzgelegenheit im Duschbereich, auch Haltegriffe müssen eingeplant werden. Die Duschabtrennung muss sich nach außen öffnen lassen oder ganz fehlen.
  • Für Badewannen sind Einstiegshilfen vorzusehen, möglich sind auch Badewannen mit einer Tür. Trittstufen oder Wannengriffe benötigen eine sichere und stabile Verschraubung.
  • Armaturen sollten in gut erreichbarer Höhe angebracht sein, zu empfehlen sind leicht bedienbare Einhebel-Mischaggregate. Thermostate bieten einen wirksamen Verbrühungsschutz. Für motorisch stark eingeschränkte Personen sind berührungsgesteuerte Armaturen besonders komfortabel.

Platzbedarf für ein barrierefreies Bad

Auch im Bad gelten 1,50 mal 1,50 Meter als Wendebereich für Rollstuhlfahrer oder 90 mal 70 Zentimeter für Personen mit Gehhilfen. Um leicht vom WC auf den Rollstuhl umsteigen zu können, ist neben dem WC zusätzlicher Platz notwendig, am besten eine Fläche von 90 mal 70 Zentimetern. Die erforderliche Grundfläche für ein barrierefreies Bad mit Dusche und WC beträgt mindestens 3,20 und für Rollstuhlfahrer 5,40 Quadratmeter.

 

Die barrierefreie Küche

barrierefrei bauen, Küche, Frau im Rollstuhl bedient Mikrowelle, Foto: Granberg GmbH
Diese barrierefreie Küche bietet Möglichkeiten, die Arbeitsfläche zu unterfahren und eine niedrig aufgehängte Mikrowelle. Foto: Granberg GmbH

Für mehr als 30 Prozent der Menschen ist die Küche der Mittelpunkt des Hauses oder der Wohnung. Das fand das Statistik-Portal statista heraus. Aber auch, wenn die Küche nur zum Kochen gebraucht wird, muss sie natürlich barrierefrei gestaltet sein. Als optimal sind folgende Einbauten zu bewerten:

  • Beim Einbau der Küchenelemente muss bereits die optimale Höhe der Arbeitsflächen berücksichtigt werden, die sich nach der Art der körperlichen Beeinträchtigung richtet. Besonders komfortabel sind Möbelsysteme mit manuell höhenverstellbaren Arbeitsflächen. Das hat den Vorteil, dass auch Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen, gut in der Küche arbeiten können.
  • Wer im Rollstuhl sitzt, kann Oberschränke nur dann nutzen, wenn sich diese per Tastendruck absenken lassen.
  • Ausfahrbare und drehbare Apothekerschränke eignen sich besser als Regale, weil bei ihnen auch weiter hinten stehende Gegenstände erreicht werden können.
  • Spülbecken und Arbeitsplatten müssen unterfahrbar sein.
  • Das gleiche gilt für das Kochfeld. Der Backofen ist am besten mit Teleskopauszügen und einer vollständig umschwenkbaren oder einfahrbaren Tür ausgestattet.
  • Da durch die erforderliche Unterfahrbarkeit die meisten Unterschränke entfallen und Oberschränke möglicherweise gar nicht nutzbar sind, sollten Rollcontainer eingeplant werden.

Bewegungsflächen in der barrierefreien Küche

Die Mindesttiefe vor Küchenmöbeln beträgt 1,20 Meter. Besonders effizient und gut befahrbar für Rollstuhlfahrer sind Übereck-Anordnungen von Herd, Arbeitsplatte und Spüle. Befindet sich der Essplatz in der Küche, ist der Transportweg kurz. Der Esstisch kann dann außerdem gut als unterfahrbare Arbeitsfläche genutzt werden, wodurch Raum für Rollcontainer entsteht.

 

Das barrierefreie Schlafzimmer

barrierefrei bauen, Mann im Rollstuhl zieht Kleiderstange mit Stab zu sich hinunter, Foto: Hotel im Schulhaus, Lorch
Die Kleiderstange dieses Schranks lässt sich manuell absenken. Foto: Hotel im Schulhaus, Lorch

Wie in den anderen Zimmern gilt auch im Schlafzimmer ein erhöhter Platzbedarf. Ebenso muss das Mobiliar für das barrierefreie Schlafzimmer an die jeweiligen Bedürfnisse und Einschränkungen angepasst werden:

  • Die Betthöhe muss so gewählt werden, dass ein bequemes Aus- und Einsteigen möglich ist. Als Richtlinie gilt: Die Oberkante der Matratze sollte nicht höher als 55 Zentimeter über dem Fußboden liegen. Aufrichthilfen, Sicherungsgitter oder Vibrationswecker für Hörgeschädigte können ergänzend den Komfort erhöhen.
  • Vom Bett aus muss ein Lichtschalter erreichbar sein, ebenso wichtig ist eine komfortabel große Ablage, auf der bei Bedarf auch ein Telefon untergebracht werden kann.
  • Damit keine Allergien entstehen können, sollten nur schadstoffgeprüfte und reizarme Materialien verwendet werden.
  • Hilfreich sind ausklappbare, beziehungsweise absenkbare Kleiderstangen oder befahrbare Schränke. Der Schrankinnenraum muss sinnvoll beleuchtet werden. Kommoden bieten zusätzlichen Stauraum in Reichweite von Rollstuhlfahrern.

 

Das barrierefreie Arbeitszimmer

barrierefrei bauen, barrierefreies Arbeitszimmer, Mann im Rollstuhl sitzt am Laptop, Foto: izusek / iStock
Einen Schreibtisch barrierefrei einzurichten ist gar nicht so schwer. In vielen Details unterscheidet sich ein solcher Arbeitsplatz nicht von anderen. Foto: izusek / iStock

Gerade bei körperlicher Beeinträchtigung bietet sich die Arbeit im Home-Office an. Dort, aber auch im Büro müssen spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz erfüllt werden. Grundsätzlich gelten auch hier die Vorschriften und Empfehlungen der DIN 18040. Zusätzlich gibt es technische Regeln für barrierefreie Arbeitsstätten (ASR). Diese Empfehlungen gelten zum Teil auch für das barrierefreie Arbeitszimmer zu Hause.

  • Der Schreibtisch muss mit dem Rollstuhl unterfahrbar sein, ideal sind höhenverstellbare Schreibtische.
  • Für körperlich beeinträchtigte Personen, die nicht im Rollstuhl sitzen, muss ein ergonomischer und passender Arbeitsstuhl vorhanden sein.
  • Der Schreibtisch darf nur so tief sein, dass auch vom Rollstuhl alle Utensilien erreicht werden können. Je nach Armlänge, also 40 bis 50 Zentimeter. Steht auf dem Schreibtisch allerdings ein Bildschirm, reicht dieser Platz nicht aus. Bei normaler Sehfähigkeit beträgt der optimale Abstand zwischen einem 21-Zoll-Monitor und den Augen 60 bis 70 Zentimeter. Ein Schreibtisch mit ausziehbarer Tastaturablage kann dieses Problem minimieren.
  • Stauraum und Ablageflächen sollten entweder unterfahrbar sein, Schränke, die mit Teleskopauszügen ausgestattet sind, erleichtern den Zugriff auf die Inhalte.

 

Link-Tipp

So gestalten Sie Ihren Garten barrierefrei: Barrierefrei leben - Tipps für einen barrierefreien Garten

 

Fördermöglichkeiten für den barrierefreien Umbau

Wer seine Wohnung aufgrund eines akuten Falles barrierefrei umbauen muss, sollte bei seiner Krankenkasse anrufen. Sie zahlt gegebenenfalls Zuschüsse und nennt die Bedingungen dafür. Auch die Pflegekasse oder Pflegeversicherung beteiligt sich bei Maßnahmen, die das Wohnumfeld verbessern mit bis zu 4.000 Euro.

 

Barrierefrei bauen: Sicherheit und Komfort in jeder Lebenslage

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Die KfW-Bank fördert ebenfalls Maßnahmen, seine Immobilie altersgerecht umzubauen. Zum einen gibt’s einen günstigen Kredit über maximal 50.000 Euro, bei dem eine Tilgungsfreie Anlaufzeit von einem bis fünf Jahre möglich ist. Außerdem gibt einen Zuschuss, der bei Einzelmaßnahmen zehn Prozent der Kosten aber maximal 5.000 Euro beträgt. Erfüllt die gesamte Wohneinheit nach dem Umbau den KfW-Standard Altersgerechtes Haus, der weitgehend den Anforderungen der DIN 18040 entspricht, so gibt es 12,5 Prozent der Kosten beziehungsweise maximal 6.250 Euro.

 

06.11.2018


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