Bauweise: Von Massivbau, Fachwerk und Strohballen

Das gemauerte Massivhaus war lange Zeit Standard in Deutschland. Doch heute gibt es viele Alternativen. Dazu gehören inzwischen sogar wieder das Fachwerk oder ungewöhnliche Bauweisen wie der Strohballenbau. Die verschiedenen Bauweisen unterscheiden sich zum Teil stark: Die wichtigsten Optionen und ihre Eigenheiten im Überblick.

Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein. Solche Massivhäuser sind weit verbreitet in Deutschland. Doch auch Fertighäuser in Holzständer- oder Skelettbauweise sind beliebt. Manche Bauherren entscheiden sich auch für Bauweisen, die im Neubau eher untypisch sind, wie die Fachwerk- oder Strohballenbauweise. Alle diese Bauweisen haben bestimmte Eigenschaften – hier finden Bauherren einen Überblick.

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Die Fertighausbauweise ist in Deutschland sehr beliebt. Hier wird ein Bodenelement mit Öffnung für den Treppenaufgang eingebaut. Foto: Mixage - fotolia.com

Die wichtigsten Bauweisen: Massivhaus, Fertighaus, Holzhaus

Diese drei Bauweisen unterscheiden sich in erster Linie durch das Baumaterial und den Ort der Herstellung. Das Massivhaus wird üblicherweise auf dem Grundstück aus Bausteinen gemauert. Das Fertighaus dagegen verwendet vorgefertigte Bauelemente aus Holz, Gips und Dämmmaterial. Ganze Wände werden per LKW angeliefert und vor Ort zusammengesetzt. Holzhäuser sind in vielen Fällen Fertighäuser, doch gibt es auch hier Massivbauweisen, bei denen zum Beispiel ganze Balken vor Ort verbaut werden.

Massivhaus

Das Maurerhandwerk ist alt, die Bauweise bewährt; und durch technische Neuerungen ist das Massivhaus immer noch topaktuell. Es gibt zum Beispiel Steine, die eine zusätzliche Wärmedämmung überflüssig machen. Mit anderen Steinen, die wie riesige Lego-Steine aussehen, können selbst unerfahrene Bauherren ihr eigenes Haus mauern.

Durch die physikalische Masse des Baumaterials besitzen Massivbauten gewisse Vorteile in Sachen Lärmschutz und bei Unwettern. So halten Massivbauten vom Sturm umhergeschleuderten Teilen oder Erdbeben länger stand als andere Baumaterialien. Auch ist Stein gegen Feuchtigkeit etwas weniger anfällig als beispielsweise Holz.

Einen weiteren Vorteil haben Massivhäuser: Weil sich viele Kaufinteressenten von ihren Vorurteilen leiten lassen und keine gebrauchten Holz- oder Fertighäusern kaufen wollen, erzielen Massivhäuser beim Wiederverkauf oft höhere Preise.

Fertighaus

Die Fertighausbauweise bedeutet in erster Linie, dass Bauelemente außerhalb der Baustelle, zum Beispiel in Fabrikhallen, vorgefertigt werden. Oftmals werden Fertighäuser in Holzständer- oder Skelettbauweise gebaut. Das heißt, dass es einen Rahmen gibt, der für die Statik zuständig ist und der mit Baustoffen zur Wärme- oder Geräuschdämmung gefüllt wird.

Bei Fertighäusern gibt es ein gewisses Einsparpotenzial, da die Fertigelemente standardisiert hergestellt und dadurch günstiger werden können. Außerdem gibt es einen Zeitvorteil, wenn Hausbauunternehmen Standardelemente nicht erst produzieren müssen, sondern auf ein Lager zurückgreifen. Sowohl Preis als auch Fertigstellungsdauer eines Hauses hängen allerdings auch davon ab, wie viele Sonderwünsche ein Bauherr umsetzen lassen will.

Holzhaus

Ein Holzhaus kann in Skelettbauweise und dann auch als Fertighaus gebaut werden –oder in Blockbauweise, was einem Massivbau entspricht. Holzhäuser gelten als besonders nachhaltig. Doch bei der Ökobilanz eines Hauses zählt am Ende das gesamte Bauwerk: Ein Holzhaus, das zusätzlich mit Plastik gedämmt und mit Gips verputzt wird, ist nicht zwangsläufig ökologischer als ein Stein- oder Fertighaus, das energetisch auf dem neusten Stand ist. Wer umweltschonend bauen will, kann – muss aber nicht zwangsläufig – ein Holzhaus bauen. Genau hinschauen sollte er aber in jedem Fall.

Trotz mancher Vorurteile haben Holzhäuser keine Nachteile in Sachen Stabilität und Statik. Im Gegenteil: Holzhäuser können Zugkräfte viel besser abfangen und sind deswegen bei Stürmen oder Erdbeben stabiler als andere Bauwerke. Außerdem ist Holz ein guter Dämmstoff, lediglich beim Lärmschutz gibt es gewisse Nachteile.

Architektenhaus oder Häuser von Bauunternehmen

Zwar ist der Begriff Architektenhaus weitläufig bekannt, doch handelt es sich dabei um keine eigene Bauweise. Vielmehr kann der Architekt die Bauweise wählen, die am besten zu den Vorstellungen des Bauherrn, seinem Grundstück und dem Budget passt. Architekten können selbständig arbeiten, aber auch bei Massivhaus-, Holzhaus- oder Fertighausherstellern die Planung übernehmen. So müsste man eigentlich bei einem Architektenhaus zwischen einem frei geplanten Haus und einem Typenhaus unterscheiden.

Wer sein Haus von einem freien Architekten planen lässt, hat die meisten Anpassungsmöglichkeiten. Jeder Sonderwunsch schlägt sich aber auch auf den Preis nieder. Gerade bei besonders schwer bebaubaren Grundstücken – seien sie schmal, abschüssig oder schlecht geschnitten – muss ein Haus aber oft frei vom Architekten geplant werden.

Architekten werden nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieursleistungen (HOAI) bezahlt. Das heißt: Wer ein Budget für das Haus setzt, legt damit automatisch auch den preislichen Rahmen des Architekten fest. Die Dauer des Planungsprozesses ist natürlich abhängig von Aufwand und Sonderwünschen, sowie dem Zeitaufwand dafür, Budget und architektonische Prozesse unter einen Hut zu bringen.

Bausatzhaus, Ausbauhaus oder Schlüsselfertig

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen unterschiedlichen Bauweisen ist der Anteil, mit dem sich ein Bauherr selbst einbringen kann oder darf. Dabei gibt es aber bestimmte Gewerke, die auf jeden Fall ein Profi übernehmen muss. Dazu gehören die Elektrik oder der Gasanschluss. Auch die Heizung sollte ein Heizungsbauer installieren.

Wer ein Haus baut, sollte in jedem Fall den Bauvertrag und die Leistungsbeschreibung prüfen. Für Bausatz- und Ausbauhäusern gilt das aber ganz besonders. Denn hier ist geregelt, welche Arbeiten der Bauherr und welcher das Bauunternehmen liefert.

Bausatzhaus

Beim Bausatzhaus stellt der Haushersteller einen Bausatz beziehungsweise das Baumaterial. Möglicherweise gibt es Bauworkshops, in denen der Bauherr alle Handgriffe und nötiges Hintergrundwissen vermittelt bekommt. Andere Baufirmen stellen dem Bauherrn einen Bauleiter oder Baubetreuer, der vor Ort mit einer vom Bauherren zusammengetrommelten Laientruppe das Haus aufbaut.

Bausatzhäuser bieten einen gewissen preislichen Vorteil. Ein Nachteil ist die längere Bauzeit. Außerdem kann es für den Bauherrn und seine Familie sehr belastend sein, über Monate hinweg Feierabende und Wochenenden in den Hausbau zu stecken. Dafür hat der Bauherr am Ende ein wahrhaft selbstgebautes Haus, auf das er stolz sein kann.

Ausbauhaus

Das Ausbauhaus oder Mitbauhaus ist weder ein geschützter Begriff noch eine bestimmte Bauweise. Mit diesem Begriff reagieren Hausbauunternehmen auf die zunehmende Nachfrage von Bauherren, die auf der Baustelle mitanpacken und dadurch Kosten einsparen wollen. Darum bieten viele Hersteller ihre Häuser in verschiedenen Ausbaustufen an. Das heißt aber nicht, dass der Bauherr alles selbst erledigen muss, er kann die verschiedenen Arbeiten auch an Handwerker vergeben.

Auch beim Ausbauhaus können Bauherren sparen, müssen aber im Gegensatz zum Bausatzhaus nicht alles selbst machen. Es besteht dennoch eine gewisse Gefahr, sich selbst und die eingesparten Kosten zu überschätzen.

Schlüsselfertiges Haus

Der Begriff „schlüsselfertig“ dient lediglich der Abgrenzung gegenüber Ausbauhäusern. Wer Schlüsselfertig baut, erwartet, keinen Handgriff tätigen zu müssen, den Schlüssel überreicht zu bekommen und dann einziehen zu können. Ob das tatsächlich der Fall ist, sollten Bauherren jedoch prüfen und den Bauvertrag und die Leistungsbeschreibung sorgfältig durchlesen. Schlüsselfertig heißt auch nicht, dass keine Zusatzkosten entstehen können.

Energiesparhaus, Passivhaus oder Sonnenhaus

Die EnEV schreibt für den Neubau bestimmte energetische Standards vor. Durch diese ist jeder Neubau im Vergleich zum Gebäudebestand ein Energiesparhaus. Wer besonders umweltschonend bauen will, kann sogenannte Passivhäuser oder Sonnenhäuser bauen. Durch den Einsatz architektonischer Kniffe, besonderer Baumaterialien und hochmoderner Technik lässt sich besonders viel Energie einsparen – und je nach Bauweise mit der Kraft der Sonne heizen, Strom produzieren oder gar weitgehend energieautark leben.

Die Mehrkosten dieser Bauweisen können sich mit der Zeit amortisieren. Ob das der Fall ist, hängt aber vom persönliche Heizverhalten, der Entwicklung der Energiepreise und dem gewählten Vergleichswert ab. Für besonders energieeffiziente Häuser gibt es Fördermittel von der KfW-Bank. 

Besondere Bauweisen: Fachwerkhaus und Strohballenhaus

Immer wieder gibt es auch Hausbauanbieter, Architekten oder Bauingenieure, die besondere Hausbauweisen anbieten. So gibt es gerade im nördlichen Teil Deutschlands einige Anbieter, die Fachwerkhäuser bauen. Dabei handelt es sich im Endeffekt um eine Skelettbauweise. Auch ein Strohballenhaus zählt zu den Skelettbauten. Das Stroh wird zu bis zu 60 Zentimeter dicken Ballen gebunden und dient sowohl der Wärmedämmung als auch der Statik. Denn eingeklemmt in ein Skelett aus Holz, ist Stroh außerordentlich belastbar.

So können sich Bauherren entscheiden

Oftmals haben Bauherren bereits eine klare Vorstellung von ihrem künftigen Haus. Doch wie es aussieht, ist nicht unbedingt abhängig von der Bauweise: Wer sich für eine bestimmte Optik entschieden hat, aber eigentlich einen anderen Baustoff möchte, kann die Fassade dem Geschmack anpassen. So lässt sich beispielsweise ein Holzhaus mit Gips verputzen oder einem Steinhaus eine Holzfassade verpassen.

Einfluss auf die Bauweise hat unter Umständen auch das Grundstück und das Baugebiet. So kann es sein, dass der Bebauungsplan bestimmte Stile oder Materialien vorschreibt. Wer im historischen Dorfkern bauen will, darf möglicherweise kein supermodernes Holz-Glas-Haus bauen, und auch kein Fertighaus im mediterranen Stil. Neben der Optik gibt es noch viele weitere Kriterien wie Umweltschutz oder Preis. Im Gespräch mit Herstellern und Architekten lassen sich oftmals gute Lösungen für das perfekte Traumhaus finden.

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