Flachdachsanierung: Ein Fall für den Fachmann?

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Auf Flachdächern hält sich Regenwasser länger und sie werden stärker von Temperaturschwankungen beeinträchtigt, weshalb Risse, Falten und Lecks auftreten können. Tipps, ob sie die Flachdachsanierung selbst durchführen können oder einen Fachmann einschalten sollten.

Flachdachabdichtung mit EPDM, einer kautschukbasierten, elastischen Folie. Sie kann verschweißt oder verklebt werden; bei Grün- oder Kiesdächern kann sie auch nur vom Gewicht des Belages auf dem Dach gehalten werden. Wie man sieht, ist bei größeren Flächen Teamarbeit von Fachleuten gefragt. Foto: HERTALAN GmbH Foto: HERTALAN GmbH

Man spricht von Flachdächern, wenn ihre Neigung nicht mehr als etwa 18 Prozent beträgt, was einer Steigung von 18 Zentimetern auf einem Meter entspricht. Bei ihnen handelt es sich zumeist auch um so genannte Weichdächer, weil sie mit weichen Bitumen- oder Teerbahnen, umgangssprachlich oft bloß Dachpappe genannt, belegt sind – im Unterschied zum Hartdach aus Blech, Beton- oder Tonziegeln. Beim Flachdach wirkt sich eine Tücke besonders unangenehm aus: Wird es doch einmal undicht, dann tritt das Wasser leider häufig nicht an der Stelle aus, an der es eindringt und die Suche beginnt nach jedem Regen neu.

Einen Fachmann holen oder selbst Hand anlegen?

Auf diese Frage gibt es keine generelle Antwort, denn sie hängt letztlich vom Umfang und der Qualität der erforderlichen Arbeiten ab. Hier mal ein Löchlein dichten und dort eine schadhafte Stelle ausbessern kann auch ein Laie, wenn er sich beispielsweise im Baumarkt zu geeigneten Materialien beraten lässt. Aber wissen Sie genau, ob Ihr Flachdach geklebt oder geschweißt wurde? Oder können Sie sagen, ob beispielweise folgender Schichtaufbau vorliegt:

  1. V 13 Glasvlies-Bitumen-Unterbahn, auf die Verbretterung genagelt,
  2. G 200 S 4 talkumiert, Bitumen-Schweißbahn mit Glasgewebe als Trägereinlage,
  3. PYE 200 S 5 beschiefert, Polymer-Bitumen-Schweißbahn mit eingelagertem Polyestervlies.

 

Für diese oberste, mehrere Millimeter dicke Deckschicht geistert in der Umgangssprache gelegentlich auch der Begriff Elefantenhaut umher. Zum Schutz gegen mechanische Einflüsse und UV-Strahlung wird die Decklage noch bekieselt, also beispielsweise mit Schiefersplitt bestreut. Er wird mit der Zeit von Regen und Schnee ausgewaschen; nach zwei, drei Jahrzehnten können dann Risse, Verwerfungen oder ausgewitterte Flächen folgen. Manchmal werden auch Druckstellen verursacht, weil nicht beachtet wurde, dass Weichdächer an heißen Tagen ihrem Namen alle Ehre machen und nicht betreten werden sollten. Spätestens dann, wenn die betagte Dachhaut droht undicht zu werden, muss saniert werden. Hat man noch eine alte Eindeckung aus Teerdachpappe, die  sich zudem noch verworfen hat, ist es ratsam, gänzlich neu zu decken. Oft ist es bei der Flachdachsanierung jedoch möglich, die alten Bahnen liegen zu lassen, sofern die Statik es zulässt, um Entsorgungskosten zu sparen.

Moderne Werkstoffe nutzen

Das aus Erdöl gewonnene Bitumen hat längst den alten Steinkohlenteer abgelöst; die früher übliche Dachpappe musste  verschiedenen reißfesten Vliesen weichen. Mit diversen Kunststoffen werden die Bitumen-Dachbahnen zusätzlich veredelt. Heutzutage stehen für die Reparatur von Flachdächern auch flüssige Kunststoffe zur Verfügung, beispielsweise auf der Grundlage von Polyurethan, dessen Klebrigkeit vielen Heimwerkern vom Bauschaum bekannt sein dürfte. Der Handel bietet Produkte an, die sehr einfach mit Pinsel oder Farbrolle aufgetragen werden können.  Sie sind in größeren Eimern erhältlich, wie man sie aus der Farbabteilung eines Baumarktes kennt, oder auch in Kunststoffbeuteln, die dann portionsweise ausgegossen werden. Bei der Schichtdicke richtet man sich nach den Angaben der Hersteller; oft genügen schon drei Millimeter, die durch wiederholtes Überstreichen erreicht werden. Die Ein-Komponenten-Kunststoffe trocknen meist innerhalb von zwei bis drei Stunden soweit, dass ein leichter Regen nichts ausmacht; nach weiteren sechs bis acht Stunden ist die bearbeitete Fläche in der Regel schon begehbar, völlig ausgehärtet ist das Material jedoch erst nach etwa 24 bis 48 Stunden. Es versteht sich, dass der Untergrund, also die sanierungsbedürftige Dachhaut, vor allem sauber und noch fest sein muss. Moos und Flechten sowie eventuelle Reste der ehemaligen Bekieselung müssen also weg, bevor die neue Kunststoffhaut aufgetragen werden kann. Eine Grundierung, wie man sie bei Farben kennt, ist dagegen nicht erforderlich.

Alternative: EVA-Folien verlegen

Eine andere Methode, ein Flachdach dauerhaft abzudichten, besteht darin, Kunststoff-Bahnen – so genannte EVA-Folien - zu verlegen. Sie werden in Rollen angeliefert und in nur einer Lage auf das Dach geklebt. Untereinander werden sie mit Heißluft verschweißt oder auch chemisch verklebt. Der Handel spricht von mindestens 30 Jahren Haltbarkeit. Das Material sei zudem diffusionsoffen und könne in verschiedenen Farben geliefert werden. Ein Laie allerdings wird es kaum hinbekommen, die Folie ohne Blasen und hohle Stellen zu verlegen und die Anschlüsse an Wände und Schornsteine fachgerecht auszuführen.


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